Putzen kann Jeder!

Verfasst von: DTKfrau Gabriele Maria Perklitsch
Putzen oder Reinigen?
Putzen oder Reinigen?  Bild: Gabriele Maria Perklitsch
In den Hotels wird die Zimmermädchen Arbeit wenig beachtet. Die Herausforderungen, der Zeit – und Leistungsdruck, in diesem Job steigen jedoch stetig an. Der Gast will ein perfektes Zimmer vorfinden, da dies ja sein Zu Hause auf Zeit bedeutet. Er soll sich rundum wohlfühlen. Deshalb sind auch scheinbar kleine Dinge im Detail wichtig und zu beachten. Meist spricht man hier von "Putzfrauen", die diesen Job machen. Kann das wirklich Jeder?

In der Öffentlichkeit wird diese Arbeit als reine „Putzarbeit“ gesehen. Allein das Wort ist abwertend und wird meist verächtlich ausgesprochen. Dabei geht es im Housekeeping um viel mehr als nur um Reinigung. Das wissen jedoch die Wenigsten. Der Gast will ein perfektes Zimmer vorfinden, da dies ja sein Zu Hause auf Zeit bedeutet. Er soll sich rundum wohlfühlen. Deshalb sind auch scheinbar kleine Dinge im Detail wichtig und zu beachten. Mindestens 3 Kissen für jede Schlafgewohnheit im Bett, eine Kaffemaschine für den schnellen kleinen Genuss, viele Kosmetikartikel zum Genießen im Bad, kleine Goodies als kleiner Zwischendurch Snack, ein Blümchen hier, eine Vase da. Alles muss perfekt sein.

Eine aktuelle europäische Studie belegt, dass der Zimmermädchen Job noch vor DAX-Managern, Feuerwehrleuten, Krankenschwestern und Ärzten zum härtesten Job der Welt zählt. Laut der neuen Prioritätenliste steht die „Wertschätzung“ an 1. Stelle, gefolgt vom Gehalt und erst an 3. Stelle wird die Arbeitsbelastung als entscheidende Faktoren genannt. Die Zimmermädchen arbeiten überwiegend fast unsichtbar für den Gast. Ihre Leistungen bleiben im Hotel meist unbeachtet. Beachtung finden jedoch Gästebeschwerden. Auch die Anerkennung durch Trinkgeld nimmt ständig ab, zeigt die europaweit erfasste Studie auf. Nur 30 Prozent der Gäste honorieren die perfekt aufbereiteten Zimmer. Der Druck hingegen steigt. Pro Zimmer gibt es nur mehr zwischen 10 und 30 Minuten Zeit.

Gabriele Maria Perklitsch, als Hotel- & Housekeeping Expertin, kann den Inhalt dieser Studie inhaltlich bestätigen. Sie plädiert schon seit vielen Jahren für mehr Transparenz, Verständnis, Wertschätzung, Anerkennung, mehr Schulungen und Imageförderung der Housekeeping Arbeit. In den von ihr abgehaltenen Fortbildungsseminaren, Ausbildungen und Coachings und als ehemalige Hausdame in vielen Top Hotels, hat und kann sie täglich hautnah selbst erfahren, wie schlecht sich die „Zimmermädchen“ in ihrem Job fühlen. Sie fühlen sich minderwertig. Das macht unzufrieden und erzeugt Stress. Viele ziehen sich sowohl öffentlich als auch in den Hotels von anderen Abteilungen und auch den Gästen zurück. Splitten sich ab. Nehmen dadurch eine Außenseiterrolle ein.

Die Mitarbeiter im Housekeeping können sich selbst die Anerkennung nicht wie in anderen Berufen selbst erarbeiten. Das zeigt die Studie auch auf. Das Image ist in der Öffentlichkeit sehr schlecht. Der Stress, der durch diese Missachtung entsteht, ist enorm. Wer setzt sich für die Anliegen dieser Jobsparte ein? Offene und gute Kommunikation wird neben sprachlichen Problemen sehr schwer möglich. Viele trauen sich gar nicht, ihren Beruf vor Anderen zu nennen. Denn wie soll man seinen Beruf auch nennen? Es gibt keine öffentlich bekannte und anerkannte Berufsbezeichnung. Umgangssprachlich sagt man: ich gehe putzen. Aber - Wer will schon eine „Putze“ sein?

Die Praxis zeigt, dass diese Mitarbeiter oft sehr gut gebildet sind, viele sogar mit Studiumabschluss im Ausland. Genauer betrachtet, hat sich diesen Job keiner ausgesucht. In diesem Job zu landen, passiert meistens. Die Gründe sind oft situationsbedingt. Die Frau geht meistens nach dem Kinderkriegen wieder Arbeiten und wenn man nichts Besseres findet, landet man in der Reinigung. Das passiert. Das ist von keinem geplant. Man macht das, um über die Runden zu kommen. Andererseits – betrachten wir die Wichtigkeit dieser Mitarbeiter in der Reinigung! Genau betrachtet, sind Sie sehr wichtig. Die Gäste würden sofort ausbleiben. Denn wer bucht schon ein schmutziges Zimmer? Genau. Keiner!